Max Schulze präsentierte auf der EnviroInfo 2025 einen funktionierenden Proof-of-Concept, der die Umweltwirkung von KI-Anfragen direkt an der Rechenzentrums-Infrastruktur misst — und damit Schätzungen durch echte Messdaten ersetzt.
Am 18. September 2025 präsentierte Max Schulze auf der EnviroInfo 2025 der Gesellschaft für Informatik die Ergebnisse des NADIKI-Projekts. Die Präsentation „Measuring the Environmental Impact of AI: From Estimation to End-to-End Measurement“ stellte einen funktionierenden Proof-of-Concept vor, der die Umweltwirkung von KI-Anfragen durch direkte Messung an der tatsächlichen Rechenzentrums-Infrastruktur nachweist — statt durch Schätzungen und Modellparameter.
Die Kernthese: Die KI-Industrie misst alles außer ihrer eigenen Umweltwirkung. Während Anbieter wie OpenAI, Google und Anthropic Werbeanzeigen auf Mikrosekunden optimieren, verlassen sie sich für die Berichterstattung über Energieverbrauch auf Laborwerte und Annahmen. Bestehende Tools wie AI Energy Score, CodeCarbon oder Googles 0,24-Wh-Angabe für Gemini basieren allesamt auf Modellen oder kontrollierten Bedingungen — nicht auf realen Produktionsdaten.
Das NADIKI-System schließt diese Lücke in fünf Schritten: direkte Anbindung an bestehende Monitoring-Systeme (Prometheus, Telegraf), Echtzeit-Erfassung von Rechenzentrums- und Serverdaten in einer Zeitreihendatenbank (InfluxDB), ein Registrar-System für Rechenzentren und Server, eine Echtzeit-Berechnungs-API und eine Nutzerintegration über Open Web UI. Das Ergebnis: Jede KI-Anfrage zeigt den tatsächlichen Verbrauch — Energie, Wasser, Ressourcen, operativen und eingebetteten CO₂ — pro Nachricht, pro Konversation und kumuliert.
Das Ziel: bis Ende 2025 vom Forschungsprototyp zum praxisreifen System. Der Aufruf an Teilnehmende aus Infrastruktur-Monitoring, Open-Source-KI, Politikforschung und Nachhaltigkeitsfinanzierung — gemeinsam daran zu arbeiten, Echtzeitmessung zum Standard zu machen.
