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Digitale Infrastruktur

Nachhaltigkeitslabel für digitale Ressourcen

Nachhaltigkeitslabel für digitale Ressourcen

Wer ist verantwortlich für die Nachhaltigkeit digitaler Produkte? Ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel für digitale Ressourcen schafft Transparenz und ermöglicht Differenzierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Im vergangenen Jahr haben wir uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wer für die Nachhaltigkeit digitaler Produkte verantwortlich ist. Die Öffentlichkeit glaubt, dass diese Verantwortung bei den Rechenzentren liegen sollte — doch wir sind überzeugt, dass es weit komplexer ist.

Wir haben ein vereinfachtes Verantwortungsmodell erstellt, das die Rollen und Zuständigkeiten vom Nutzer bis zur digitalen Infrastruktur abbildet. Ein zentrales Konzept, das wir eingeführt haben, sind die „digitalen Ressourcen-Primitive". Digitale Infrastruktur erzeugt eine Ressource, die Software dann nutzt, um Nutzern ein digitales Produkt oder einen Dienst bereitzustellen. Dieser Ansatz berücksichtigt, dass Rechenleistung, Speicher und Netzwerke jeweils eigene Umweltwirkungen haben und dass die Verantwortung für Nachhaltigkeit entsprechend aufgeteilt werden sollte.

Die SDIA verfolgt mehrere laufende Initiativen, um den Ressourcenverbrauch innerhalb der Software zu adressieren: ihn zu messen, Umweltwirkungen zuzuordnen und die Werkzeuge und Methodik zu entwickeln, um ihn zu quantifizieren, zu berichten und die Leistung zu verbessern. Ebenso wird die „versteckte" Wirkung vieler Software-Bibliotheken untersucht.

Was ist mit den digitalen Ressourcen selbst?

Während Softwareanwendungen ihren Verbrauch digitaler Ressourcen minimieren und die Effizienz steigern können, hat selbst ein minimaler Ressourcenverbrauch eine Umweltwirkung. Um wirklich nachhaltiger Software näher zu kommen, brauchen wir digitale Ressourcen, die von Grund auf nachhaltig erzeugt werden.

Derzeit versuchen Erzeuger, ihre Umweltwirkung durch den Einsatz zertifizierter grüner Energie zu minimieren — basierend auf der Annahme, dass dies die einzige Energiequelle ist, die Rechenzentren, Server und Netzwerke nutzen. Der Einsatz zertifizierter grüner Energie macht jedoch nur einen kleinen Teil des Energieverbrauchs digitaler Infrastruktur aus, der sich ihrer Kontrolle entzieht, sofern sie nicht eigene erneuerbare Energie erzeugen können.

Wir sind überzeugt, dass dies nicht weit genug geht. Die SDIA-Roadmap für nachhaltige digitale Infrastruktur, die wir 2020 veröffentlicht haben, beschreibt klar die notwendigen Maßnahmen für den Sektor, um nachhaltige Ressourcen zu erzeugen. In ganz Europa setzen Organisationen diese Roadmap nun um.

Fehlende Akzeptanz und Differenzierung

Bislang hat sich die Umsetzung weder in einer signifikanten Produktdifferenzierung für Betreiber und Eigentümer niedergeschlagen noch in einer breiten Akzeptanz für nachhaltigere digitale Infrastruktur. Im Gegenteil: Aktuelle Pläne für neue Rechenzentrumskapazitäten folgen nach wie vor dem „althergebrachten" Modell.

Gleichzeitig nutzen viele Betreiber das GHG-Protokoll, um gewagte Aussagen über CO₂-Neutralität oder CO₂-Freiheit zu treffen, ohne den eingebetteten Kohlenstoff oder andere Umweltwirkungen ihrer Infrastruktur zu berücksichtigen. Das macht es innovativen Betreibern noch schwerer, sich abzuheben und IT-Anwendungsentwicklern oder Softwareanbietern zu zeigen, dass sie andere, nachhaltige digitale Ressourcen bereitstellen.

Ein Label für nachhaltige digitale Ressourcen

In Partnerschaft mit den Organisationen unserer Community wollen wir diese Lücke schließen, indem wir ein klar definiertes Label für nachhaltige digitale Ressourcen schaffen — ausgerichtet auf Cloud-Infrastrukturanbieter und traditionelle Webhoster (z. B. virtuelle Maschinen, Cloud-Speicher, virtualisierte Netzwerke), die digitale Ressourcen erzeugen.

Dieses Label baut auf bestehenden Rahmenwerken und Kriterien auf. So muss beispielsweise das Rechenzentrum, in dem die Server stehen, die Kriterien von BREEAM Gold, EU Code of Conduct, Blauer Engel, CEEDA und weiteren erfüllen. Viele SDIA-Mitglieder sind bereits an der Erstellung dieser Kriterien beteiligt.

Was jedoch fehlt, ist die Bündelung der verschiedenen Komponenten unter einem Dach: das Rechenzentrumsgebäude, die elektro- und maschinentechnische Ausstattung, die Netzwerktechnik, der Server selbst und die Energie — all das zusammen bildet die Infrastruktur für die Erzeugung digitaler Ressourcen.

Community-basierte Kriterienentwicklung — der erste Entwurf

In Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern haben wir bereits den ersten Kriteriensatz erstellt. Gemeinsam mit unseren Partnern setzen wir die Messlatte bewusst hoch, um echten Wandel voranzutreiben und den Markt herauszufordern, seine Anstrengungen bei der Erzeugung nachhaltiger digitaler Ressourcen zu verstärken.

Sie möchten mehr erfahren oder Ihre Ideen einbringen? Treten Sie unserer Arbeitsgruppe „Criteria for Sustainable Cloud" (CSC) bei, um gemeinsam zu arbeiten und sich auszutauschen. Die Teilnahme steht allen offen, die sich Transparenz und Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen.