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Deutschland

Digitale Infrastruktur

Software muss Verantwortung für ihre Umweltwirkung übernehmen

Software muss Verantwortung für ihre Umweltwirkung übernehmen

Kein Rechenzentrum wird ohne Software gebaut, kein Server ohne Software betrieben. Software muss daher die Verantwortung für ihre Umweltwirkung übernehmen — eine Verantwortung, die nur durch Transparenz entstehen kann.

Max Schulze wurde vom European Policy Centre zum Policy-Dialog „Greening ICT: What can EU do?" eingeladen und sprach über den ökologischen Fußabdruck von Software, die Wirkungen, die sie verursacht, und die Bedeutung von Transparenz über Energieverbrauch und eingebettete Emissionen.

Einleitende Bemerkungen

Kein Rechenzentrum wird entworfen und gebaut, kein Netz errichtet, kein Server hergestellt, ohne dass Software dies verlangt. Daher muss Software Verantwortung für die Umweltwirkung übernehmen, die sie durch die von ihr benötigte Infrastruktur verursacht. Eine Verantwortung, die nur durch Transparenz entstehen kann.

Software muss mindestens zwei Dinge transparent machen: 1) den Energieverbrauch, für den sie verantwortlich ist, und 2) die eingebetteten Emissionen in der zugrundeliegenden Infrastruktur — beginnend bei den Servern. Es freut mich sehr zu sehen, dass die Grünen/EFA-Gruppe im Rahmen ihrer kürzlich angekündigten Studie eine Lebenszyklusanalyse durchführt.

Digitale Produkte und Dienste bestehen aus Software. Derzeit können Kunden, die diese digitalen Angebote kaufen, keine Entscheidung auf der Grundlage ökologischer Nachhaltigkeit treffen, weil die Informationen schlicht nicht vorhanden sind. Transparenz über die Umweltwirkung entsteht nicht von selbst. Viele digitale Unternehmen ignorieren das Thema entweder oder konzentrieren sich nur auf den Stromaspekt, wobei die Mehrheit dazu neigt, eine alternative Erzählung zu schaffen, in der digitale Technologie immer mehr CO₂ und Energie einspart, als sie verbraucht. Das ist offensichtlich nicht der Fall, wie eine aktuelle Studie des Borderstep-Instituts (CliDiTrans) belegt.

Ohne Transparenz und Wahlmöglichkeiten für Kunden gibt es keinen gesunden Wettbewerb, der auf die Reduktion von Umweltwirkungen ausgerichtet ist — nur auf Innovationsgeschwindigkeit und Wachstum. Die negativen externen Effekte der daraus resultierenden Umweltwirkung werden vom Markt nicht berücksichtigt — daher trägt die Gesellschaft die Kosten und nicht der Hersteller. Es ist die Aufgabe des Regulators, einzugreifen und Transparenz von allen zu verlangen, die digitale Produkte und Dienste an Kunden und Unternehmen verkaufen. Die Europäische Union ist bereits ein globaler Vorreiter bei Umwelt- und Ökoregulierung — warum haben wir bei digitalen Produkten noch nicht gehandelt?

Die SDIA hat bereits ein offenes Rahmenwerk zusammen mit einer umfassenden Methodik veröffentlicht, wie der Energie- und Ressourcenverbrauch von Software für Verbraucher und Unternehmen sichtbar gemacht werden kann. Regulierung ist jedoch erforderlich, um die Bewegung hin zu Transparenz und Kundenwahlmöglichkeit zu beschleunigen.

Energieeffizienz und Softwareentwicklung

Softwareentwicklung war schon immer auf Energieeffizienz ausgerichtet — maximale Leistung pro Watt. Es ist jedoch der Überfluss an Infrastruktur und Ressourcen, der verschwenderisches Verhalten erzeugt, was durch das Cloud-Paradigma weiter beschleunigt wird. Europa hat die Chance, nachhaltige Softwareentwicklungspraktiken zu fördern, indem der Ressourcenverbrauch transparent gemacht wird.

Mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung arbeitet die SDIA an den notwendigen Werkzeugen, um Softwareentwicklern zu helfen, ihren Energie- und Ressourcenverbrauch zu verstehen (SoftAWERE).

Durch vollständige Transparenz können wir die Ineffizienzen von Software und der zugrundeliegenden Infrastruktur angehen — was eigentlich ein recht einfacher Prozess ist:

  • Kreislaufwirtschaft. Die Herstellung, den Verkaufsprozess und die Nutzung jeglicher IT-Ausrüstung in eine Kreislaufwirtschaft umwandeln — von Servern bis hin zu Laptops und Smartphones. Zum Beispiel: Garantie- und Nutzungsdauern für IT-Ausrüstung von 5 auf 10 Jahre erhöhen und damit sofort Elektroschrott reduzieren. Hersteller sollten As-a-Service-Modelle einführen, bei denen sie Eigentümer der Hardware bleiben — was einen Anreiz schafft, die Lebensdauer der Geräte zu maximieren. Dies kann durch die öffentliche Beschaffung bereits heute ausgelöst werden.

  • Integration. Rechenzentren durch Anreize oder Regulierung in das Energiesystem integrieren mit dem Ziel, ihren Stromverbrauch an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anzupassen.

  • Sektorkopplung. Es ist unerlässlich, der Abwärme von Rechenzentren einen Wert beizumessen. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass die Kosten für die Erzeugung dieser Wärme transparent sind, um Sektorkopplung zu ermöglichen: Alle Regionen in Europa werden Heizung elektrifizieren müssen. Rechenzentren sind eine stabile, zuverlässige und damit ideale Wärmequelle, um die Effizienz von Wärmepumpen und Kältespeichern zu steigern — nutzen wir das!

Fazit

Alles beginnt mit der Schaffung von Transparenz über Umweltwirkung und Ressourcenverbrauch. Die Technologien für eine klimaneutrale digitale Infrastruktur existieren bereits — was fehlt, ist der Impuls zur Veränderung. Transparenz ist dieser Impuls.