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SADC Roadmap: Ansiedlungskriterien für nachhaltige Rechenzentren

SADC Roadmap: Ansiedlungskriterien für nachhaltige Rechenzentren

Wie binden Kommunen Nachhaltigkeitsziele verbindlich in die Ansiedlung von Rechenzentren ein? Diese Roadmap zeigt einen erprobten Ansatz: Nachhaltigkeitskriterien werden vor dem Grundstücksverkauf vertraglich vereinbart, Betreiber zur jährlichen Veröffentlichung ihrer Kennzahlen verpflichtet und eine unabhängige Stelle mit dem Monitoring beauftragt. Entwickelt mit der Schiphol Area Development Company (SADC) für den Green Data Center Campus in der Region Amsterdam.

Rechenzentren sind ein zentraler Bestandteil der digitalen Infrastruktur. Gleichzeitig wächst die gesellschaftliche Kritik an ihrem Energie- und Wasserverbrauch sowie an fehlender Transparenz gegenüber den Kommunen, in denen sie errichtet werden. Die Frage ist nicht, ob Rechenzentren gebaut werden, sondern wie Kommunen und Regionen sicherstellen, dass Bau und Betrieb nachhaltig gestaltet werden und die Region davon profitiert.

Gemeinsam mit der Schiphol Area Development Company (SADC) haben wir eine Nachhaltigkeits-Roadmap entwickelt, die genau das adressiert. SADC ist eine öffentlich-private Gesellschaft der Gemeinden Haarlemmermeer und Amsterdam, der Provinz Nordholland und der Schiphol Group. Die Roadmap wurde für den PolanenPark konzipiert, den ersten Standort des Green Data Center Campus (GDCC) mit einer Kapazität von 80–100 MVA.

Was diese Roadmap besonders macht

Der entscheidende Unterschied zu anderen Ansiedlungskonzepten liegt in drei Mechanismen:

  • Nachhaltigkeit als Vertragsbestandteil: Bevor das Grundstück verkauft wird, vereinbaren Käufer und SADC einen verbindlichen Nachhaltigkeitsplan. Dieser enthält konkrete Maßnahmen, aufgeteilt in Ziele für die Bauphase und Ziele, die im laufenden Betrieb schrittweise erreicht werden.

  • Jährliche öffentliche Berichtspflicht: Der Käufer verpflichtet sich vertraglich, Fortschritt und Kennzahlen jährlich zu veröffentlichen. Diese Transparenz schafft die Grundlage für eine unabhängige Überprüfung.

  • Unabhängiges Monitoring: Eine Zivilorganisation oder Regierungsstelle prüft die veröffentlichten Kennzahlen, vergleicht Soll- und Ist-Zustand und berichtet öffentlich über Abweichungen. Insbesondere große, internationale Anbieter reagieren auf den Schutz ihrer Marke und Reputation. Die öffentliche Berichterstattung ist daher ein wirksames Instrument, um die Einhaltung von Vereinbarungen durchzusetzen.

Diese Transparenz stärkt auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, bereits vor Baubeginn. Gleichzeitig liefern die veröffentlichten Kennzahlen und Pläne eine Datenbasis für Forschung und Innovation, die zu besseren Technologien und Rahmenbedingungen für die Branche beitragen kann.

Sieben Säulen der Kreislaufwirtschaft

Die Roadmap basiert auf sieben Säulen der Kreislaufwirtschaft, die als Rahmen für die Nachhaltigkeitsziele dienen:

  • Materialien: Null Abfall und vollständige Kreislaufführung aller Materialien

  • Energie und Emissionen: CO2-negative Betriebsführung als Ziel

  • Wasser: Kein Verlust von Regen- und Grauwasser

  • Biodiversität: Steigerung der Artenvielfalt durch adaptive Bauweise und Betrieb

  • Gesundheit und Wohlbefinden: Verbesserung der Lebensqualität für Beschäftigte und Anwohner

  • Ökonomisch resiliente Systeme: Langlebige und anpassungsfähige Strukturen

  • Soziale Aktivität und Kultur: Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Stakeholder

Für jede Säule definiert die Roadmap konkrete Kennzahlen und Ziele, die in den Kaufvertrag einfließen.

Umsetzungsprozess in vier Phasen

Der Prozess beginnt bereits in der Konzeptphase, lange vor dem Grundstücksverkauf, und erstreckt sich über die gesamte Betriebsdauer:

  • Konzeptphase (8 Wochen): Käufer und SADC erarbeiten gemeinsam einen ersten Entwurf des Value-Added Plans mit konkreten Kennzahlen für Bau und Betrieb.

  • Reservierungsphase (26 Wochen): Die Kennzahlen werden SMART formuliert und in das Gebäudedesign integriert. SADC und die unabhängige Prüfstelle genehmigen den Plan vor Unterzeichnung des Kaufvertrags.

  • Genehmigung und Realisierung (ca. 1 Jahr): Ein Teil der vereinbarten Ziele muss vor der Inbetriebnahme erreicht werden. Die übrigen Ziele werden mit einem Zeitplan zur schrittweisen Erreichung versehen.

  • Betriebsphase (10+ Jahre): Jährliches Monitoring und Berichterstattung über alle vereinbarten Kennzahlen bis mindestens 2030. Jährliche Überprüfung durch die unabhängige Stelle mit öffentlicher Dokumentation von Fortschritt und Abweichungen.

Regulatorischer Rahmen

Die Roadmap integriert Anforderungen verschiedener Ebenen: die Hyperscale-Policy der niederländischen Regierung, die Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Gemeinde Haarlemmermeer, die Rechenzentrumspolitik der Provinz Nordholland und die Roadmap to Sustainable Digital Infrastructure by 2030. Durch die Bündelung dieser Anforderungen in einem einzigen Vertragswerk entsteht ein konsistenter Rahmen, der für Betreiber handhabbar und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar ist.

Relevanz für deutsche Kommunen und Regionen

Der Ansatz lässt sich auf deutsche Kommunen übertragen, die Rechenzentren ansiedeln wollen oder sich bereits in Verhandlungen befinden. Die drei Kernelemente — vertragliche Verankerung, öffentliche Berichtspflicht und unabhängiges Monitoring — sind nicht an den niederländischen Kontext gebunden. Sie bilden eine Blaupause für jede Region, die digitale Infrastruktur nicht nur genehmigen, sondern aktiv gestalten will.

Wirtschaftsförderern und Kommunalverwaltungen bietet die Roadmap eine konkrete Vorlage, um Nachhaltigkeitskriterien in Ansiedlungsverhandlungen einzubringen und deren Einhaltung langfristig sicherzustellen.