Analyse

Deutschland

Digitale Infrastruktur

Wie die EU sicherstellen kann, dass digitale Infrastruktur und Rechenzentren nachhaltig werden

Wie die EU sicherstellen kann, dass digitale Infrastruktur und Rechenzentren nachhaltig werden

Die Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament lud den Vorstandsvorsitzenden der SDIA, Max Schulze, zum dritten Roundtable zu Rechenzentren und digitalen Infrastrukturen ein, veranstaltet von den Europaabgeordneten Kim van Sparrentak und Rasmus Andresen. Sein Beitrag konzentrierte sich auf drei Kernkonzepte: ein Denkmodell für die digitale Wirtschaft; was Nachhaltigkeit in der digitalen Wirtscha

Die Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament lud den Vorstandsvorsitzenden der SDIA, Max Schulze, zum dritten Roundtable zu Rechenzentren und digitalen Infrastrukturen ein, veranstaltet von den Europaabgeordneten Kim van Sparrentak und Rasmus Andresen. Sein Beitrag konzentrierte sich auf drei Kernkonzepte: ein Denkmodell für die digitale Wirtschaft; was Nachhaltigkeit in der digitalen Wirtschaft und ihrer Infrastruktur wirklich bedeutet; und die Rolle der öffentlichen Hand bei der Schaffung von Transparenz und der Festlegung von Rahmenbedingungen. Vor dem Hintergrund der neuen Publikation der Grünen/EFA „Digital Technologies in Europe: An Environmental Life Cycle Approach" beleuchtet dieser Artikel diese Punkte ausführlicher.

Ein Denkmodell für die digitale Wirtschaft

Um die Komplexität der IKT-Nachhaltigkeit besser zu verstehen, ist ein ganzheitlicher, systembasierter Ansatz hilfreich, der sich an unserer Roadmap für nachhaltige digitale Infrastruktur bis 2030 orientiert.

Der zentrale Berührungspunkt zwischen Gesellschaft und digitaler Wirtschaft sind die digitalen Produkte und Dienste, die sie bereitstellt: soziale Netzwerke, servicebasierte Angebote und Business-to-Business-Produkte. Die Unternehmen, die diese Produkte herstellen, werden als Technologieunternehmen bezeichnet, obwohl die meisten von ihnen keine Technologie erschaffen, sondern sie lediglich anwenden. Sie kombinieren frei verfügbare Open-Source-Softwaretechnologie mit einem Geschäftsmodell.

Digitale Infrastruktur liefert sowohl den Treibstoff (digitale Rechenleistung) als auch den Transportmechanismus für Daten (Glasfasernetze). Rechenzentren sind die großen Kraftwerke der digitalen Wirtschaft, während Glasfasernetze die Stromnetze darstellen. Digitale Rechenleistung — bestehend aus Netzwerken, Rechenprozessen und Datenspeicherung — ist das, was digitale Produkte und Dienste funktionsfähig macht.

Was Nachhaltigkeit für digitale Infrastruktur bedeutet

Nachhaltige digitale Infrastruktur muss drei zentrale Aspekte erfüllen:

Erstens sollte sie keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben: grüner Strom, nachhaltige Gebäude, Energie- und Wärmenachnutzung, Kühlung, Recycling aller Elektronikabfälle, Abschaffung von Dieselgeneratoren sowie Minimierung von Abfall und ungenutzter Kapazität.

Zweitens sollte sie die Wettbewerbsfähigkeit digitaler Unternehmen sichern, die sich für europäische digitale Infrastruktur entscheiden.

Drittens sollte sie inklusiven Wohlstand ermöglichen. Das Betriebsmodell globaler, großskaliger Akteure digitaler Infrastruktur schafft heute keinen Wohlstand für die Regionen, in denen die Infrastruktur errichtet wird. Infrastruktur sollte lokale Unternehmen stärken und nachhaltige digitale Ökosysteme schaffen.

Die Rolle der EU: Transparenz einfordern und Rahmenbedingungen setzen

Europa ist bereits Vorreiter bei vielen tiefgreifenden technischen Regulierungen wie den Ökodesign-Richtlinien für Server. Was jedoch fehlt, ist ein wirksames systemweites Handeln.

Die digitale Wirtschaft ist ein System, dessen Fundament die digitale Infrastruktur bildet. Heute verfügen wir über keine verlässlichen Informationen darüber, wie viele Ressourcen dieses System verbraucht. Transparenz kann auf zwei Ebenen geschaffen werden:

  • Auf der Ebene digitaler Produkte und Dienste: Transparenz über Energie- und Ressourcenverbrauch schaffen, um informierte Kundenentscheidungen zu ermöglichen

  • Auf der Ebene digitaler Infrastruktur: nationale und regionale Transparenzregister einrichten, in die Betreiber digitaler Infrastruktur berichten

Dies steht auch im Einklang mit unserem Open Data Hub, einer Initiative zur Förderung von Transparenz, Vertrauen und Datenverfügbarkeit.

Der zweite Schritt besteht darin, Grenzwerte für die wichtigsten Nachhaltigkeitskennzahlen digitaler Infrastruktur festzulegen, zusammen mit einem Zeitplan, wann Klimaneutralität erreicht sein muss. Die digitale Wirtschaft profitiert massiv davon, dass die Umwelt- und Sozialkosten digitaler Produkte nicht eingepreist werden — das ist der Grund, warum Cloud-Anbieter wie AWS Gewinnmargen von 42 % verzeichnen können. Das kann sich nur ändern, wenn die EU die richtigen Rahmenbedingungen setzt.

Politische Empfehlungen für die Europäische Union

Vier zentrale Empfehlungen:

  • Nationale Regierungen verpflichten, ein Transparenzregister einzuführen, das den Anforderungen und Kennzahlen der Europäischen Kommission entspricht.

  • Die Entwicklung einer Roadmap mit Meilensteinen zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2030 koordinieren.

  • Den regulatorischen Rahmen schaffen, um Externalitäten einzupreisen und so die tatsächlichen Umwelt- und Sozialkosten digitaler Infrastruktur abzubilden.

  • Europäische Initiativen und Unternehmen unterstützen, die sich mit IKT-Nachhaltigkeit befassen — durch Finanzierung, Erleichterung steuerlicher und regulatorischer Belastungen und die Schaffung eines förderlichen politischen Umfelds, das Nachhaltigkeit belohnt.