Max Schulze präsentierte beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr den Ansatz Green Coding — ein Drei-Säulen-Modell aus Verantwortung, Transparenz und Werkzeugen für nachhaltige Softwareentwicklung. Am Beispiel von Drupal zeigt die Präsentation: 1 % Effizienzgewinn spart über 2 Millionen kWh pro Jahr.
Am 25. April 2023 präsentierte Max Schulze im Rahmen der Veranstaltung „Einfach. Gemeinsam. Digital.“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr in Berlin den Ansatz Green Coding — als Beitrag zur Digitalstrategie Deutschlands.
Energieeffizienz bei digitalen Ressourcen: Eine Grenze ist erreicht
Die Digitalisierung schreitet voran — und mit ihr der Energiehunger von Software. Rechenleistung wird kontinuierlich leistungsfähiger, was dazu führt, dass Software langfristig immer mehr Energie verbraucht. Gleichzeitig nähert sich die Miniaturisierung von Mikrochips physikalischen Grenzen: Weitere Effizienzgewinne durch kleinere Transistoren sind kaum noch zu erwarten. Hinzu kommt: Die Herstellung von Hardware verursacht Umweltwirkungen, die ebenso bedeutsam sind wie der laufende Energieverbrauch.
Green Coding: Drei Säulen für nachhaltige Software
Green Coding ist ein Ansatz, der Softwareentwicklung konsequent unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachtet. Er basiert auf drei Grundprinzipien:
Verantwortung — Der Digitalsektor muss Verantwortung für die Umweltwirkung digitaler Ressourcen übernehmen. Das erfordert Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit für die ökologischen Folgen der Digitalwirtschaft und der Digitalisierung.
Transparenz — Anbieter digitaler Ressourcen müssen deren Umweltwirkung für Softwarehersteller und Entwickler sichtbar und nachvollziehbar machen. Ohne regulatorische Rahmenbedingungen haben Infrastrukturanbieter keinen Anreiz, diese Daten offenzulegen.
Werkzeuge und Methoden — Quer durch Europa entsteht ein Ökosystem aus Werkzeugen und Methoden für nachhaltige Softwareentwicklung — entwickelt von Freiwilligen, bereitgestellt als Open-Source-Software. Diese Akteure brauchen Unterstützung, Sichtbarkeit und einen Rahmen zur Weiterentwicklung.
Praxisbeispiel Drupal
Drupal ist ein freies Open-Source-Content-Management-System, das weltweit 937.000 Websites antreibt. Ausgehend davon, dass jede Drupal-Website im Durchschnitt 10 % der digitalen Ressourcen eines Servers nutzt, ergibt sich ein jährlicher Energieverbrauch von rund 205,2 Millionen kWh. Bereits eine Effizienzverbesserung von 1 % über alle Drupal-Installationen würde den Energieverbrauch um etwa 2 Millionen kWh pro Jahr senken — das entspricht dem Jahresstromverbrauch von 1.380 Einpersonenhaushalten.
Nachhaltige Digitalisierung gestalten
IDED arbeitet auf eine Digitalisierung hin, die für Menschen, Umwelt und Wirtschaft nachhaltig ist. Green Coding ist dabei kein optionales Add-on, sondern eine Grundvoraussetzung: Wer Digitalisierung verantwortungsvoll gestalten will, muss die Umweltwirkung von Software systematisch erfassen, sichtbar machen und reduzieren.