Im Auftrag des BMWK analysierte IDED (als Teil eines dena-Konsortiums) die wirtschaftliche Dimension und den Zukunftsausblick des deutschen Rechenzentrummarkts. Das Ergebnis: 9 Arbeitsplätze pro MW bei deutschen Betreibern, eine Nachfrage von 19 Mio. Server-Äquivalenten bis 2045 und klare Empfehlungen für regionale digitale Ökosysteme.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beauftragte eine umfassende Studie zur Analyse des aktuellen Stands und der Entwicklungspotenziale des Rechenzentrumsstandorts Deutschland. Im Rahmen eines Konsortiums unter Federführung der Deutschen Energie-Agentur (dena) unterstützte IDED (damals als SDIA bekannt) die Erstellung einer Gesamtanalyse — mit Schwerpunkt auf der wirtschaftlichen Dimension und dem Zukunftsausblick.
Herausforderung
Deutschland steht vor der Aufgabe, das Wachstum digitaler Infrastruktur mit den Zielen der Energiewende zu vereinbaren und gleichzeitig digitale Souveränität zu sichern. Das Ministerium benötigte evidenzbasierte Erkenntnisse zu:
Der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette von Rechenzentren
Quantifizierbaren Beschäftigungs- und Steuereffekten von Rechenzentrumsinvestitionen
Der zukünftigen Nachfrage nach digitalen Ressourcen bis 2045
Strategischen Optionen zur Stärkung digitaler Souveränität
Unser Ansatz
IDED übernahm die Federführung für die Analyse der wirtschaftlichen Dimension (Kapitel 3) und des Zukunftsausblicks (Kapitel 5):
Wirtschaftsanalyse (Kapitel 3): Entwicklung eines detaillierten Wertschöpfungsmodells über drei Ebenen — Rechenzentrumgebäude, IT-Infrastruktur und IT-Dienste. Primärforschung durch Stakeholder-Interviews und Umfragen zur Quantifizierung von Beschäftigungseffekten. Analyse steuerlicher Auswirkungen und regionaler Wertschöpfung verschiedener Rechenzentrums-Geschäftsmodelle. Untersuchung von Marktzugangshürden und Wettbewerbsdynamiken im Cloud-Infrastrukturbereich.
Zukunftsausblick und digitale Souveränität (Kapitel 5): Erstellung eines quantitativen Modells zur Prognose der Nachfrage nach digitalen Ressourcen bis 2045 auf Basis von Digitalisierungstrends in allen Wirtschaftssektoren. Analyse digitaler Souveränität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Entwicklung strategischer Empfehlungen zur Positionierung Deutschlands im globalen Markt für digitale Infrastruktur.
Zentrale Ergebnisse
Wirtschaftliche Wirkung und Wertschöpfungskette
Beschäftigungseffekte: Deutsche Rechenzentrumsbetreiber schaffen rund 9 Arbeitsplätze pro MW Rechenzentrumsbetrieb, während internationale Betreiber in Deutschland nur etwa 3 Arbeitsplätze pro MW generieren.
Wertschöpfungskette: Der Wert steigt entlang der Kette erheblich an: Rechenzentrumsgebäude (Basisebene) 3–9 Beschäftigte/MW, IT-Infrastrukturbetrieb (mittlere Ebene) 3–25 Beschäftigte/MW, IT-Dienste (höchste Ebene) 35–140 Beschäftigte/MW.
Steuereinnahmen: Die Steuerstruktur variiert stark je nach Geschäftsmodell und Unternehmensstruktur. Kommunen profitieren trotz Bereitstellung von Flächen und Energieinfrastruktur oft nur begrenzt.
Marktstruktur: Die größten Colocation-Anbieter in Deutschland sind überwiegend ausländisch, der Cloud-Markt wird von geschlossenen Systemen internationaler Anbieter dominiert.
Zukunftsausblick und Souveränität
Nachfrage nach digitalen Ressourcen: Das Modell prognostiziert, dass Deutschland bis 2045 digitale Ressourcen im Umfang von 19 Millionen Standard-Server-Äquivalenten benötigen wird, um eine gesamtwirtschaftliche Digitalisierungsquote von 39 % zu erreichen.
Effizienzszenarien: Mehrere Szenarien zeigen, wie Effizienzverbesserungen bei Software und IT-Infrastruktur den Ressourcenbedarf erheblich beeinflussen können.
Souveränitätsanalyse: Entwicklung eines strukturierten Rahmens zur Bewertung digitaler Souveränität entlang der Dimensionen Datensouveränität, Betriebssouveränität und Infrastruktursouveränität.
Empfehlungen
Regionale digitale Ökosysteme: Aufbau integrierter regionaler Ökosysteme, die Rechenzentren, IT-Infrastrukturanbieter und IT-Dienstleistungsunternehmen verbinden, um Wertschöpfung und Beschäftigungseffekte zu maximieren.
Europäischer Marktplatz für digitale Ressourcen: Schaffung eines offenen europäischen Marktplatzes für digitale Ressourcen, um Wettbewerb zu stärken und Abhängigkeiten von geschlossenen Systemen globaler Hyperscaler zu reduzieren.
Gezielte Förderung lokaler Betreiber: Verbesserung des Kapitalzugangs für kleine und mittlere IT-Infrastrukturanbieter zur Stärkung des deutschen Marktsegments.
Strategische Investitionen in Qualifizierung: Aufbau spezialisierter Ausbildungsprogramme für den Großanlagen-IT-Infrastrukturbetrieb zur Behebung identifizierter Qualifikationslücken.
Rahmenwerk für digitale Souveränität: Implementierung des entwickelten Bewertungsrahmens zur Steuerung von Entscheidungen über kritische digitale Infrastruktur.