Dieser Meinungsbeitrag wurde von Lasse Schneppenheim verfasst und spiegelt nicht zwingend die Positionen von IDED wider.
Dieser Meinungsbeitrag wurde von Lasse Schneppenheim verfasst und spiegelt nicht zwingend die Positionen von IDED wider.
Noch vor wenigen Wochen begannen die ersten Unternehmen in Europa, aufgrund des Coronavirus zu schließen. Wo immer möglich, arbeiten Beschäftigte jetzt von zu Hause. Nicht alle können das — manche Berufe erfordern physische Präsenz, anderen fehlen die nötigen Systeme und Prozesse. Für diejenigen, die es können, ist es ihre Verantwortung, den Betrieb aufrechtzuerhalten und unsere Wirtschaft am Laufen zu halten.
In Zeiten wie diesen offenbart sich die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft. Was uns jetzt — neben den Menschen in systemrelevanten Berufen wie dem Gesundheitswesen — rettet, ist unsere funktionierende digitale Infrastruktur. Sie ermöglicht es uns, informiert zu bleiben, virtuell zu kommunizieren, remote zu arbeiten und unsere wichtigsten Systeme am Laufen zu halten: Energieversorgung, Lebensmittellogistik, Transport, Gesundheitsversorgung. Es sind einerseits unsere vernetzten Endgeräte — vor allem aber das globale Netzwerk der Rechenzentren, das all dies möglich macht. Was wären die Konsequenzen eines Ausfalls dieser Infrastruktur genau jetzt?
Aktuelle Herausforderungen
Die Infrastruktur und ihre Nutzerinnen und Nutzer stehen aktuell vor erheblichen Belastungen:
Stark gestiegener Datenverkehr, der die Kapazitäten von Diensten, Netzwerken und Rechenzentren an ihre Grenzen bringt
Erhöhte Bedrohung durch Cyberangriffe von Akteuren, die die Situation ausnutzen
Steigende Kosten für Unternehmen beim Aufbau von Heimarbeitsumgebungen
Mangelnde Kapazitäten für die computergestützte Pandemieforschung
Einige Beispiele verdeutlichen das Ausmaß: Microsoft Teams meldet eine Verdoppelung der Nutzerzahl seit November, auf nunmehr 44 Millionen täglich Aktive. Netflix drosselt die Streaming-Qualität, um das System vor einem Zusammenbruch zu schützen. DE-CIX, einer der größten Internetknoten Europas in Frankfurt, verzeichnet einen Anstieg von rund 10 % — ein Wachstum, das normalerweise 6 bis 12 Monate dauert. Vodafone Deutschland meldet an mehreren Tagen der vergangenen Woche einen um 30 % höheren Datenverkehr als üblich.
Resilienz stärken
Um sicherzustellen, dass unsere Infrastruktur weiterhin zuverlässig funktioniert, müssen alle Akteure der Branche ihren Beitrag leisten. Das Uptime Institute hat einen Bericht für Betreiber kritischer Infrastrukturen veröffentlicht, der Maßnahmen zur Risikominimierung im Umgang mit COVID-19 enthält. Darüber hinaus brauchen wir innovative Lösungen, um die aktuellen Herausforderungen direkt anzugehen. Ein SDIA-Mitglied, Helio, arbeitet zum Beispiel an einer Lösung zur Verteilung von Rechenlasten auf verschiedene Rechenzentren, die ungenutzte und Reservekapazitäten erschließt. Sie haben ihr Computernetzwerk für Forschende und Softwareentwickler geöffnet, die gegen das Virus kämpfen.
Lehren aus der Krise
Nach der Corona-Krise sollten wir die aktuelle Situation als Stresstest begreifen und unsere digitale Infrastruktur entsprechend weiterentwickeln. Angesichts des aktuellen Wachstumsschubs digitaler Dienste müssen wir uns fragen: Erfüllt unsere digitale Infrastruktur die Anforderungen an physische Resilienz, Sicherheit, Kapazität, internationale Autonomie und Nachhaltigkeit?
Wir hoffen, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen — mit dem Wissen, was in schwierigen Zeiten wirklich zählt, und dem Willen, unsere Infrastrukturen konsequent weiterzuentwickeln, insbesondere in Bezug auf Resilienz und Nachhaltigkeit.