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Eine Datenbank für Hardware-Ökobilanzen wird jetzt gebraucht

Eine Datenbank für Hardware-Ökobilanzen wird jetzt gebraucht

Um den Umwelt-Fußabdruck von Software zu bestimmen, braucht es Transparenz in der gesamten Lieferkette — angefangen beim ersten Glied: dem Server-Hersteller. Eine offene, maschinenlesbare Datenbank für Hardware-Ökobilanzen ist überfällig. IDED (damals als SDIA bekannt) identifizierte die Hindernisse auf dem Weg dorthin und schlug eine gemeinsame Datenstruktur für vereinheitlichte Lebenszyklusdaten vor.

Um den Umwelt-Fußabdruck von Software zu bestimmen, braucht es Transparenz in der gesamten Lieferkette. Wenn digitale Infrastruktur die Lieferkette der Software bildet, die digitale Produkte und Dienste erbringt, dann ist der erste Lieferant in dieser Kette der Server-Hersteller — denn der Server wandelt elektrische Energie in digitale Ressourcen um, die als Treibstoff für Software dienen.

Deshalb braucht es für jeden Server eine transparente Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA), deren Daten als Open Data in einer maschinenlesbaren Struktur verfügbar sein müssen — abfragbar und nutzbar für Software, die ihren eigenen Fußabdruck berechnet. Diese Bewertung sollte den geschätzten Stromverbrauch umfassen, vor allem aber die verkörperten Ressourcen und Emissionen jedes Geräts.

IDED (damals als SDIA bekannt) hat im Rahmen seiner Open Data Hub Steuerungsgruppe eine Datenstruktur vorgeschlagen und sucht Feedback sowie Unterstützung für den Aufbau einer einheitlichen Datenbank für Hardware-Ökobilanzen. Es gibt Hürden zu überwinden — inkonsistente LCA-Methoden, unterschiedliche Konfigurationen, nicht maschinenlesbare Publikationen — doch all das lässt sich durch branchenweite Zusammenarbeit lösen.

Verschiedene Lebenszyklusmethoden liefern unterschiedliche Ergebnisse

Ein Mitglied unserer Community, das sich mit der Aufbereitung von IT-Hardware befasst, hat darauf hingewiesen, dass bereits ein reiches Informationsangebot besteht — etwa von Dell (Beispiel) und HPE (Beispiel).

Interessanterweise nutzen beide Unternehmen in diesem Beispiel dieselbe LCA-Software — den Product Attribute to Impact Algorithm (PAIA) des MIT Materials & Systems Laboratory. Sobald andere LCA-Tools wie OpenLCA ins Spiel kommen, weichen die Ergebnisse noch stärker voneinander ab.

Um diese Herausforderung anzugehen, hat das Öko-Institut aus Deutschland ein vereinfachtes Ökobilanzmodell entwickelt, das die Konfiguration eines Servers in eine vergleichbare, emissionsfokussierte Lebenszyklusbewertung übersetzt. Die Arbeit von IDED am digitalen CO₂-Fußabdruck und am SoftAWEre-Projekt basiert auf diesem vereinfachten Ansatz — mangels belastbarer Lebenszyklusdaten der Hersteller.

Für Vergleichbarkeit brauchen Hersteller eine einheitliche Konfiguration

Wer je einen Konfigurator für die Planung eines neuen Fahrzeugs genutzt hat, wird staunen, wie viele Konfigurationsoptionen es pro Server gibt — etwa im Konfigurationstool von HPE. Die Liste der Parameter ist lang: verschiedene Prozessoren, Arbeitsspeicher, Gehäuse, Speicherkonfigurationen, Riser-Karten, Netzwerkkomponenten, Strom und Kühlung, erweiterte Sicherheitsfunktionen — und so weiter.

Wie lässt sich festlegen, für welche Konfiguration eine Ökobilanz erstellt werden soll? Minimal- und Maximalkonfigurationen variieren je Server erheblich. Es gibt jedoch einige Ansätze, die das handhabbar machen — zwei Beispiele:

  • Server in Kategorien einteilen (Low-grade Compute, Mid-grade, Storage, Blade-Systeme etc.) und pro Serverkategorie eine standardisierte Maximal- und Minimalkonfiguration definieren, die herstellerübergreifend gilt.

  • Die Lebenszykluskosten pro Komponente definieren und das Konfigurationstool in ein komponentenbasiertes Ökobilanz-Tool verwandeln — jede Komponente im Server hat einen eigenen Umwelt-Fußabdruck. So wird die LCA konfigurationsspezifisch statt produktliniengebunden.

In beiden Fällen ist eine Einigung der Hersteller auf den Ansatz Voraussetzung — sonst ist das Ergebnis für die Berechnung des Umwelt-Fußabdrucks von Software nicht verwendbar. Als die PAIA-Methodik entwickelt wurde, geschah das durch ein vorwettbewerbliches Konsortium. Dieser Ansatz ließe sich wiederholen, um eine offene Datenplattform für Lebenszyklusdaten von Server-Hardware zu schaffen — mit IDED als Plattform für das Konsortium und die Infrastruktur.

Für die praktische Nutzung brauchen Hersteller maschinenlesbare LCA-Daten

Ein Aspekt, der bei Bewertungen und Nachhaltigkeitsberichten oft vergessen wird: Damit Daten wirklich nützlich sind, müssen sie maschinenlesbar sein.

Ein Beispiel: Wer eine Flotte von 1.000 verschiedenen Servern betreibt, alle erfasst im CMDB oder IT-Inventarsystem, und den Fußabdruck pro Gerät oder des Gesamtportfolios ermitteln möchte, kann nicht manuell die CO₂-Äquivalente aus PDF-Dokumenten heraussuchen. Was gebraucht wird: eine Datenbank, die auf Anfrage mit Servername und Konfiguration die LCA-Daten inklusive CO₂-Äquivalenten zurückliefert.

Boavizta, eine Gruppe von Entwicklerinnen und Beratern, die sich in Frankreich für nachhaltige IT einsetzen, hat die PDFs von Apple, HPE, Dell und vielen anderen Herstellern in eine solche maschinenlesbare Datenbank überführt.

Das Projekt nutzt eine Open Database License, um den Nutzen möglichst breit zu teilen. Doch das Extrahieren von Daten aus PDFs ist aufwändig in der Pflege und nicht im Interesse der Hersteller — das PDF ist lediglich eine Momentaufnahme der Lebenszyklusdaten, ohne die neuesten Verbesserungen zu berücksichtigen.

Der logische Weg nach vorn ist eine offene Datenbank, in die Hersteller ihre Lebenszyklusdaten einspeisen, regelmäßig aktualisieren und konfigurierbar bereitstellen können. Eine solche Datenbank würde Vergleichbarkeit und Forschung ermöglichen — vor allem aber würde sie Software-Anwendungen in die Lage versetzen, die Umweltwirkung ihrer eigenen Infrastruktur erstmals zu berücksichtigen.

Es ist Zeit, dass Server-Hersteller zusammenkommen und eine gemeinsame Datenbank schaffen

Der Wettbewerb um geringere Umweltwirkung wird ein wesentlicher Teil des Marktes der Zukunft sein. Transparenz ermöglicht diesen Wettbewerb und eröffnet ein neues Differenzierungsfeld für einen ansonsten weitgehend standardisierten Hardware-Markt.

Darüber hinaus muss jede IT-Abteilung, jede Einkaufs- und jede Nachhaltigkeitsverantwortliche den eingebetteten CO₂-Fußabdruck der IT-Infrastruktur — einschließlich der Server — in ihre Berichte einbeziehen. Woher sollen sie dafür verlässliche Daten beziehen?

Jetzt ist der richtige Moment, gemeinsam voranzugehen und eine offene Datenbank für die Lebenszyklusdaten von Server-Hardware zu schaffen. Der Prozess hat begonnen — werden Sie ihn anführen oder abwarten?